

Viele Menschen gehen jahrein, jahraus zum Sehtest, ohne genau zu wissen, was dabei eigentlich gemessen wird. Das Ergebnis sind Zahlen auf einem Rezept, die fuer die meisten ein Raetsel bleiben: Sph -1,75, Cyl -0,50, Achse 180. Was bedeutet das? Und warum dauert ein gruendlicher Sehtest eigentlich so lange?
Dieser Artikel erklaert, was bei einer professionellen Sehstaerkenbestimmung passiert, welche Geraete eingesetzt werden und woran Sie erkennen, ob der Test wirklich gruendlich war.
Was ist ein Sehtest ueberhaupt?
Der Begriff "Sehtest" wird umgangssprachlich fuer verschiedene Dinge verwendet. Streng genommen ist ein Sehtest eine einfache Pruefung der Sehschaerfe, wie sie etwa beim Fuehrerscheinerwerb durchgefuehrt wird. Was Optiker und Augenarzte machen, ist eine Refraktion oder Sehstaerkenbestimmung: eine umfassende Messung der optischen Fehlsichtigkeit des Auges.
Schritt 1: Die objektive Messung
Am Anfang steht meist die Messung mit einem Autorefraktometer. Dieses Geraet leuchtet einen Lichtstrahl ins Auge und misst, wie er von der Netzhaut reflektiert wird. Aus dieser Messung ergibt sich ein erster Anhaltswert fuer die Fehlsichtigkeit. Diese Messung dauert nur Sekunden und liefert einen Ausgangspunkt, aber kein endgueltiges Ergebnis.
Das Autorefraktometer ist ein Hilfsmittel, kein Ersatz fuer die subjektive Refraktion. Wer Ihnen nach dieser Messung sofort ein Rezept ausstellt, hat den wichtigsten Schritt uebersprungen.
Schritt 2: Die subjektive Refraktion
Bei der subjektiven Refraktion arbeiten Sie aktiv mit. Sie schauen durch ein Phoropter, ein Geraet mit vielen einstellbaren Linsen, und beurteilen, welche Einstellung fuer Sie am klarsten ist. Der Optiker oder Augenarzt verfeinert die Werte schrittweise, bis das optimale Ergebnis gefunden ist.
Dieser Schritt erfordert Ihre Mitarbeit und Konzentration. Antworten Sie ehrlich, auch wenn die Unterschiede klein erscheinen. Manchmal ist "gleich gut" die richtige Antwort, und das ist wichtig fuer das Ergebnis.
Schritt 3: Binokularer Abgleich
Ein oft vernachlaessigter Schritt ist die binokulare Pruefung: Wie arbeiten beide Augen zusammen? Viele Menschen haben ein dominantes Auge, und das Gehirn muss die Bilder beider Augen zu einem einzigen Bild zusammenfuegen. Werden die Glaeser nicht aufeinander abgestimmt, koennen Kopfschmerzen, Doppelbilder oder Ermuedungserscheinungen die Folge sein.
Was bedeuten die Werte auf dem Rezept?
| Abkuerzung | Bedeutung | Beispielwert |
|---|---|---|
| Sph (Sphaere) | Staerke der Kurz- oder Weitsichtigkeit | -1,75 dpt (kurzsichtig) |
| Cyl (Zylinder) | Staerke der Hornhautverkruemmung (Astigmatismus) | -0,50 dpt |
| Achse | Ausrichtung der Hornhautverkruemmung in Grad | 180 Grad |
| Add (Addition) | Zusatzstaerke fuer den Nahbereich (bei Gleitsicht) | +2,00 dpt |
| PD (Pupillenabstand) | Abstand der Pupillen voneinander | 63 mm (gesamt) oder 31,5/31,5 mm |
Optiker oder Augenarzt: Wer ist zustaendig?
Fuer die Bestimmung einer Brillensehstaerke sind beide zustaendig. Der Unterschied: Der Augenarzt kann auch Augenerkrankungen diagnostizieren und behandeln. Wenn Sie neben der Sehstaerkenbestimmung eine Untersuchung des Augenhintergrunds, des Augeninnendrucks oder der Netzhaut wuenschen, ist der Augenarzt die richtige Adresse.
Fuer eine routinemaessige Sehstaerkenbestimmung und Brillenversorgung ist ein gut ausgestatteter Optiker oft die schnellere und komfortablere Wahl. Viele Optiker bieten heute auch erweiterte Messungen an, die frueher dem Augenarzt vorbehalten waren.
Wie oft sollte man zum Sehtest?
Erwachsene mit stabiler Sehstaerke sollten alle zwei Jahre zur Kontrolle. Kinder und Jugendliche in der Wachstumsphase sollten jaehrlich geprueft werden, da sich die Sehstaerke schnell veraendern kann. Menschen ab 40 sollten jaehrlich gehen, da in diesem Alter die Altersweitsichtigkeit einsetzt und das Risiko fuer Augenerkrankungen wie Glaukom oder Makuladegeneration steigt.


